Wenn im Rahmen einer Stadtverordnetenversammlung ein Redner oder Rednerin hier am Pult steht, so beginnt die Ansprache immer mit

„Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin“.

Ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich heute nicht zuerst unsere erste Bürgerin der Stadt Nidda nenne, sondern mich an den scheidenden Bürgermeister Hans-Peter Seum wende.

Lieber Hans-Peter,

du hast 12 Jahre als Bürgermeister Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger von Nidda übernommen. In dieser Zeit musstest du einige Krisen meistern, ich erinnere mich hierbei besonders an den Konkurs der Pfleiderer Werke, das Hochwasser in Wallernhausen oder die Flüchtlingskrise 2015. In deinem Amt hast du jeden Tag alles für die Menschen in dieser Stadt gegeben und dabei sicher auf so manches verzichten müssen. Wie sehr du als Bürgermeister präsent warst, durfte ich im Rahmen meines Wahlkampfes erleben.

Sehr oft habe ich hier gehört: Hans-Peter war immer mal hier, hatte stets ein offenes Ohr und unser Bürgermeister hat sich für uns eingesetzt.

Letztendlich hast du auch einen erheblichen Anteil daran, dass ich heute hier stehe. 2017 hast du in einem Gespräch zwischen uns Beiden gesagt: „Dann kannst du ja Bürgermeister werden, wenn ich aufhöre!“ Ich weiß nicht, ob du das bewusst gemacht hast oder ob es einfach nur so dahingesagt war. Was zu diesem Zeitpunkt für mich völlig absurd war, hat mich nicht mehr losgelassen. Und vielleicht stehe ich auch deshalb heute hier!

Ich möchte dir dafür und für deinen unermüdlichen Einsatz für die Bürgerinnen und Bürger deiner Stadt recht herzlich danken!

Insbesondere geht mein Dank auch an deine Frau Tina und deine Kinder, die oft sehr verständnisvoll in dieser Zeit sein mussten, dich in deinem Amt aber stets unterstützt haben.

Jetzt kommt ein neuer Abschnitt auf dich zu, dafür wünsche ich dir viele schöne Stunden mit deiner Frau, deinen Kindern, aber insbesondere deinen Enkelkindern! Alles Gute!

„Keiner will sterben, das ist doch klar.
Wozu sind denn dann Kriege da?
Herr Präsident, du bist doch einer von diesen Herren.
Du musst das doch wissen.
Kannst du mir das mal erklären?
Keine Mutter will ihre Kinder verlieren
und keine Frau ihren Mann.
Also warum müssen Soldaten losmarschieren,
um Menschen zu ermorden - mach mir das mal klar.
Wozu sind Kriege da?“

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
sehr geehrte Mitglieder des Magistrates,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

diese Zeilen stammen aus der ersten Strophe des Liedes von Udo Lindenberg „Wozu sind Kriege da?“, geschrieben 1981 mitten im Kalten Krieg. Die Älteren von Ihnen werden sich sicher noch gut daran erinnern. Es ging zu dieser Zeit u.a. um die Aufstellung von Pershing II Raketen in der Bundesrepublik Deutschland. Über 300.000 Menschen kamen damals zur größten Friedensdemonstration in Bonn zusammen.

8 Jahre später fällt die Mauer und damit der „Eiserne Vorhang“. Wir alle dachten der Kalte Krieg, die Feindschaft zwischen Ost und West ist begraben.

Und dann…….am 24. Februar 2022 überfällt der russische Präsident Vladimir Putin die Ukraine. Wir alle sehen täglich die Bilder von Raketenangriffen, zerstörten Häuser, ja ganzen Städten und können es eigentlich nicht glauben, dass so etwas auf dem europäischen Kontinent noch einmal passieren kann. Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Zerstörung, Tod und Leid in der Ukraine.

Und so ist dieser Krieg auch in Nidda angekommen. Die beiden Sporthallen wurden zu Erstaufnahmeeinrichtungen für Kriegsflüchtlinge - für Frauen und Kinder aus der Ukraine, die ihre Männer für den Kampf um die Heimat zurückgelassen haben.

Ich möchte heute Abend die Gelegenheit nutzen mich bei allen Helfern und Unterstützern zu bedanken. Stellv. für die Verwaltung möchte ich Frau Adjinschi und Frau Rack-Döll nennen, die hier mit unglaublichem Engagement dafür sorgen, dass Flüchtlinge gut aufgenommen und betreut werden.

Dank gilt den Hilfsorganisationen, dem Katastrophenschutzzug aus Nidda, den Johannitern, dem Roten Kreuz, der Feuerwehr.

Insbesondere dem Christlichen Hilfswerk AVC aus Wallernhausen, dem Verein „Nidda Hilft“, der Frauengruppe „Multi Kulti Achla Lama“, dem Evangelischen Dekanat, der Evangelischen und Katholischen Kirche, Ahmadiyya Gemeinde, den Niddaer Schulen und Kindertageseinrichtungen. Sie unterstützen bei Hilfstransporten, Übersetzungen, Betreuung, Kleiderausgabe u.v.m.

….und zum Schluss wirklich Allen von ganzem Herzen DANKE: den privaten Unterstützern und Firmen, die Geld spenden, die Flüchtlinge aufnehmen und viel Zeit ehrenamtlich einsetzen.

Wir können von hier. so schlimm es ist, nicht viel gegen diesen Krieg in der Ukraine tun, aber wir können daraus lernen.

Wodurch entsteht denn eigentlich Krieg: Meist geht es um Macht, Hass gegen seinen Nachbarn, Neid, Angst, Missgunst, fehlende oder falsche Kommunikation.

Lassen wir es nicht zu, dass diese Dinge das Handeln der Stadtverordnetenversammlung und unserer politischen Arbeit bestimmen. Lassen Sie es uns hier im Kleinen, in diesen Reihen besser machen. Neid, Angst, Missgunst, Stolz sind kein guter Ratgeber in schwierigen Situationen.

Werner von Siemens hat einmal gesagt: „Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden“

Das ist es, was politische Arbeit ausmacht, Kompromisse und Lösungen zu finden.

Die Herausforderungen der nächsten Jahre sind groß. Die Corona-Regeln sind seit dem letzten Wochenende stark gelockert. Allerdings ist Corona noch nicht vorbei und wir müssen wachsam für den Herbst und Winter 2022 bleiben. Die wirtschaftlichen, aber auch die sozialen Folgen aus dem Krieg in der Ukraine-Krise kommen erst noch.

Der Preis für Energie, Kraftstoff und Produkte des täglichen Bedarfs ist enorm gestiegen und gerade die Berufspendler, Familien mit Kindern und ältere Menschen mit geringer Rente sind hiervon besonders betroffen. Der Mangel an bezahlbaren Wohnraum wird sich noch verstärken.

Aber Nidda ist gut aufgestellt, nicht zuletzt durch die gute Arbeit in der Verwaltung. Ich habe in meiner Zeit als Stadtverordneter viele engagierte und motivierte Mitarbeiter kennengelernt und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.

Und natürlich auch durch Ihr ehrenamtliches Engagement und die politischen Entscheidungen der letzten Jahre, liebe Stadtverordnete, haben Sie dafür gesorgt, dass sich unsere Stadt gut entwickelt hat und wir diese Herausforderungen schaffen können.

Mit dem Interkommunalen Gewerbegebiet Borsdorf/Harb wurde der Grundstein für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg der Region gelegt. Die Landesgartenschau 2027 wird die Region Oberhessen touristisch, aber auch als Lebensraum, deutlich attraktiver machen. Wir liegen am Rande der Metropolregion Frankfurt, die ebenfalls weiterhin auf Wachstumskurs ist und zusätzliche Chancen bietet.

Sicher hat Nidda mit seinen 18 Stadtteilen eine besondere Herausforderung. Die Unterhaltung von Feuerwehren, Bürgerhäusern, Kindergärten usw. in dieser Anzahl ist keine leichte Aufgabe.

Aber ich sehe hier auch gleichzeitig die Chance: Die Vielfältigkeit in den Dörfern, die unzähligen Vereine, der Zusammenhalt und das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürgern machen Nidda und seine Ortsteile lebenswert. Dafür setzen sich u.a. auch die Ortbeiräte ein, denen ich an dieser Stelle auch einmal ausdrücklich danken möchte.

Die Wählerinnen und Wähler haben mich im Januar zum Bürgermeister gewählt, weil sie Nidda zukunftsfähig und attraktiv gestalten wollen.

Hierbei stehen für mich folgende Themen im Fokus:

  • bezahlbarer Wohnraum
  • Digitalisierung weiter voran treiben
  • eine Verwaltung, die als motivierter Dienstleister in eigenständigen Teams agil arbeitet
  • Interkommunale Zusammenarbeit
  • strukturierte und offene Kommunikation mit den Ortsbeiräten
  • Wirtschaft und Einzelhandel in Nidda weiter stärken und die Innenstadt beleben

Dies alles für eine starke Region Oberhessen!

Aber auch immer mit Blick auf die Finanzen und das wirtschaftlich Sinnvolle und Machbare. Es gilt eine verlässliche Haushaltspolitik, ohne „Luftschlösser“ zu gestalten, die die Spielräume für zukünftige Generationen erhält.

Nicht zuletzt muss es uns gelingen, dies im Einklang mit Umwelt und Klimaschutz umzusetzen. Der vernünftige und sparsame Umgang mit Ressourcen wird uns in diesen Tagen wieder einmal bewusster denn je.

Vor allen Dingen möchte ich aber auch die Menschen erreichen und mit ihnen ins Gespräch kommen, die mich nicht gewählt haben.

Dies sind meine klaren Ziele der nächsten 6 Jahre und dafür werde ich mich mit ganzer Kraft einsetzen.

Aber das gelingt nur, wenn wir gemeinsam daran arbeiten. Lassen Sie uns diskutieren und auch mal streiten, aber nur in der Sache. Neid, Missgunst, fehlende oder falsche Kommunikation sind nicht zielführend.
Daher möchte ich Sie einladen gemeinsam mit mir diese Stadt noch lebenswerter für die Menschen zu machen. Denn am Ende geht es um Sie, die Bürgerinnen und Bürger, die mir, die Ihnen liebe Stadtverordnete ihr Vertrauen geschenkt haben.

Ich möchte diesen Abend auch noch einmal nutzen, um mich ausdrücklich bei denen zu bedanken die mir diesen Weg ermöglicht haben.

….und das sind neben meinem Wahlkampfteam, vielen Freunden und Mitstreitern vor allen Dingen meine Familie, mit meinen Eltern aber ganz besonders meiner Frau und meinen Kindern. Ihr und ich wisst, dass arbeitsreiche Tage auf mich zukommen, aber ich bin mir sicher mit Eurer Liebe und Unterstützung werden wir dies gemeinsam meistern.

Und damit möchte ich Ihnen allen noch ein Zitat von Hermann Gmeiner Gründer der SOS Kinderdörfer mit auf den Weg geben:

„Alles Gute auf der Welt geschieht nur, wenn einer mehr tut als er tun muss. Das Gute, das ich nicht tue, kann niemand für mich tun“

(Es gilt das gesprochene Wort)

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