Vor rund 80 Jahren zogen grölende Menschen durch Nidda. Es war der Anfang vom Ende. Mein Vater war damals ein kleiner Junge, hat aber das zeitlebens nicht vergessen können und hat immer wieder mahnend davon erzählt.

Am Montagabend sind zum wiederholten Mal sogenannte „Spaziergänger“ durch die Innenstadt von Nidda gezogen, trommelnd und grölend „Frieden – Freiheit“ rufend. Eine alte Dame beobachtete dieses Szenario fassungs- und verständnislos.

Wir leben in Nidda mit vielen Nationen, Religionen und Kulturen in Freundschaft, Wertschätzung, Solidarität und Toleranz und in Frieden und Freiheit. Wir leben in einem demokratischen Miteinander und Toleranz zu anderen Meinungen. Alle Bürgerinnen und Bürger können ihre Meinungen offen und frei äußern.

Ich habe Verständnis für Alle, die Fragen zur Impfung haben, sich sachlich damit auseinandersetzen, Impfängste haben. Aber ich habe kein Verständnis, wenn demokratische Regeln mit unangemeldeten Corona-Spaziergängen umgangen und Anordnungen bewusst ignoriert werden. Und ich habe kein Verständnis für unsolidarisches und undemokratisches Verhalten und die Verbreitung von Falschnachrichten.

Die Achtung der Grundrechte gehört zu meinem demokratischen Selbstverständnis. Demokratie hält viel aus, auch sogenannte „Spaziergänger“. Diese „Spaziergänge“ sind nur möglich, weil wir hier in Frieden und Freiheit leben. In vielen Staaten werden solche Demonstranten kurzerhand weggesperrt.
Mir dreht sich der Magen herum, wenn laut schreiend „Frieden-Freiheit“ gefordert wird. Den Initiatoren geht es nicht um das Einfordern von demokratischen Grundrechten, ganz im Gegenteil. Jeder „Spaziergänger“ sollte genau hinschauen, wer die Initiatoren sind und wie diese zur Demokratie und solidarischem Zusammenhalt stehen.

In unserer Stadt werden viele Kriegsflüchtlinge (bis zu 1000) aus der Ukraine betreut, vor allem Frauen und Kinder, die ihr Zuhause verlassen mussten, um ihr Leben zu retten. Sie sind verwundet, seelisch und körperlich. Sie sind gekommen, weil wir hier in Frieden und Freiheit leben. Wie soll ich ihnen erklären, warum „Spaziergänger“ Frieden und Freiheit fordern? Wie soll ich das der alten Dame erklären, meinen Enkelinnen?

Fremdschämen bekommt im Zusammenhang mit den „Spaziergängern“ eine völlig neue Dimension.

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